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obert war ein echter Workaholic und hatte es geschafft, ein kleines Vermögen zu erarbeiten. Als er starb, hinterließ er seiner Ehefrau und den zwei Kindern zu je gleichen Teilen 1,5 Millionen Euro. Darunter fiel Barvermögen ebenso wie Immobilien in München.​

Es bestand kein Zweifel, dass keiner der Erbberechtigten das Erbe ausschlagen wollte. Stattdessen traten Mutter und Kinder den Nachlass an. Jeder erbte von den 1,5 Millionen Euro ein Drittel und somit 500.000 Euro. Bevor die Drei den Erbschein beantragten, fragten sie sich: Was muss jeder an Erbschaftssteuer zahlen? Ein Blick aufs Erbschaftssteuergesetz gibt Aufschluss.

Erbschaftssteuer in Deutschland: Grundlegendes

In Deutschland wird die Erbschaftssteuer gemeinsam mit der Schenkungssteuer im ErbStG festgelegt. Bereits seit 1906 existiert das Erbschaftssteuerrecht, welches immer wieder für Unsicherheiten und Kritik sorgt. Obgleich die Höhe der Erbschaftssteuer in der ganzen Bundesrepublik einheitlich ist, fließen die Beträge direkt in die Länderkassen. Sie wird von dem Finanzamt erhoben, das für den Erblasser zuständig war. Hieran lässt sich sogleich eine Schwierigkeit erkennen. Lebte der Verstorbene im Ausland und hatte dieses Land kein Doppelsteuerabkommen mit Deutschland oder ist ein EU-Staat, muss die Erbschaftssteuer doppelt entrichtet werden. Hierfür ist das Finanzamt Berlin-Schöneberg verantwortlich.

Die Erbschaftssteuer verjährt ebenso wie die Einkommenssteuer. Die Fristlänge beträgt fünf Jahre und beginnt stets in dem Jahr, welches auf den Erbschaftssteuerbescheid folgt. Wenn der Bescheid beispielsweise am 3. Januar 2018 im Briefkasten liegt, beginnt die Verjährung der Schuld am 1. Januar 2024.

Wie viel Erbschaftssteuer muss ich zahlen?

Dies ist die zentrale Frage aller Erben. Wie hoch die Steuerschuld ist, steht in Abhängigkeit zur Höhe des Erbes und zum Verwandtschaftsgrad mit dem Erblasser. In unserem Beispiel mit Robert musste seine Ehefrau auf die 500.000 Euro keine Erbschaftssteuer zahlen, da dieser Wert genau dem Freibetrag entspricht. Die beiden Kinder hingegen mussten 100.000 Euro versteuern, da ihr Steuerfreibetrag bei 400.000 Euro liegt. Wird der Freibetrag vom Erbe abgezogen, ist die verbleibende Summe zu versteuern. Auf die verbleibenden 100.000 Euro mussten die Kinder 11 % und damit 11.000 Euro zahlen. Doch Achtung! Nicht nur die Freibeträge unterscheiden sich je nach Verwandtschaftsgrad, sondern auch die Steuersätze.

Worum handelt es sich bei dem Versorgungsfreibetrag?

Zum regulären Freibetrag erhalten die Kinder noch einen Versorgungsfreibetrag, der zusätzlich die Erbschaftssteuer senkt. Hierfür muss der Erblasser ihr biologischer Vater oder ihre biologische Mutter sein. Auch bei Adoptiveltern greift die Regelung. Wie hoch der Freibetrag ist, bemisst sich am Alter des Kindes:

  • bis fünf Jahre: 52.000 €
  • sechs bis zehn Jahre: 41.000 €
  • elf bis 15 Jahre: 30.700 €
  • 16 bis 20 Jahre: 20.500 €
  • 21 bis 27: 10.300 €

Für unser Beispiel mit Robert heißt dies: Seine Kinder zahlen nur 11.000 Euro Erbschaftssteuer, wenn sie älter als 27 sind. Würden sie jünger sein, müsste von den verbleibenden 100.000 Euro noch der Versorgungsfreibetrag abgezogen werden.

Muss ich eine Erbschaftssteuererklärung abgeben?

Das für den Erblasser zuständige Amtsgericht verlangt von jedem Erben eine Erbschaftssteuererklärung. Vorab klärt das Finanzamt, ob der Erbe überhaupt steuerpflichtig ist. Um diesen Sachverhalt zu klären, füllen die Erben oder der Nachlassverwalter ein Formular aus. In diesem wird der komplette Nachlass inklusive seines detaillierten Wertes aufgeführt. Dazu gehören Immobilien und Aktien ebenso wie Barvermögen und Vermögen auf der Bank. Mit der Erbschaftssteuererklärung erhält das Finanzamt einen guten Überblick über den Wert des Nachlasses. Darauf aufbauend beurteilt die Finanzbehörde, ob Erbschaftssteuer erhoben wird.

Auf was müssen die Erben Steuern zahlen?

Erbschaftssteuerpflichtig ist prinzipiell alles aus dem Vermächtnis des Erblassers. Alle Werte des Nachlasses werden addiert. Nur der persönliche Nachlass ist nicht steuerpflichtig. Doch was ist das? Was fällt unter den persönlichen Nachlass? Hier stoßen Finanzbeamte, Erben und Juristen auf eine Grauzone. Eigentlich gehören Tagebücher, Möbel, Kleidung und Schmuck zum persönlichen Nachlass. Jedoch kann es passieren, dass ein Gutachter den kostspieligen Schmuck nicht als persönlichen Nachlass erachtet. In Streitfällen wird mit dem Kriterium des persönlichen Gebrauchs argumentiert. Dieser muss ausschlaggebend für den Kauf des Wertgegenstandes gewesen sein. Schmuckstücke, Autos und Bilder zählen zugleich als Vermögenssicherung. Wenn dies auf einen Erbteil zutrifft, wird dieser erbschaftssteuerpflichtig.

Muss ich Erbschaftssteuer auf Immobilien bezahlen?

Immobilien sind für gewöhnlich erbschaftssteuerpflichtig. Um die etwaige anfallende Erbschaftssteuer zu berechnen, wird der Verkehrswert des Objektes zum Zeitpunkt des Erbes ermittelt. Diesen kann beispielsweise ein Immobilienmakler berechnen, der sich – sofern erwünscht – auch sogleich um die professionelle Vermarktung und den Verkauf des Hauses kümmern kann. Unter Umständen kann diese Regelung zu Problemen führen. Wer eine Immobilie aber kein Barvermögen erbt, kann unter Umständen die Erbschaftssteuer auf das Haus gar nicht bezahlen. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber ein paar Ausnahmeregelungen getroffen. So entfällt die Erbschaftssteuer, wenn:

  1. der Erbe der Lebenspartner oder Ehegatte ist und der Erblasser in dem Haus wohnte und der Erbe die nächsten zehn Jahre in dem Haus wohnen wird.
  2. der Erbe ein Kind des Erblassers ist und zugleich die Wohnfläche des Objektes nicht größer als 200 m² ist.

Treffen diese Regelungen nicht zu und muss Erbschaftssteuer für das Haus bezahlt werden, kann ein Verkauf des Objektes ratsam sein. Dafür sollten Erben einen kompetenten, lokalen Immobilienmakler zurate ziehen.

Wie werden Wertpapiere in die Vermögensaufstellung des Nachlasses aufgenommen?

Monetäre Werte sind leicht veranschlagt. Bei Aktien, Zertifikaten, Obligationen und Vergleichbaren ist es ein wenig aufwendiger. Mit ihnen wird ebenso verfahren wie mit Sachgütern. Dies bedeutet, dass der Verkehrswert der Wertpapiere am Todestag herangezogen wird. Dieser Wert wird auf den Nachlass aufgeschlagen.

Lassen sich die Bestattungskosten steuerlich absetzen?

Wer erbt, ist dazu verpflichtet, die Bestattungskosten zu übernehmen. Diese können sich rasch auf ein paar Tausend Euro belaufen. Nach dem Erbrecht gehören die Beerdigungskosten zu den sogenannten Nachlassverbindlichkeiten. Dies sind demnach Schulden, die der Verstorbene zu Lebzeiten oder durch seinen Tod verursacht hat. Zu ihnen zählen unter anderem die Kosten für den Bestatter, das Grabmal, die Grabpflege und die Grabstelle. Die Rechnungen vom Krematorium, dem Steinmetz, des Friedhofs und des Bestatters sollten aufgehoben werden, da sie steuerlich absetzbar sind. Beachtenswert ist, dass jedoch die Kosten für die Bewirtung auf der Trauerfeier, die Kosten für die Trauerbekleidung sowie die Reisekosten zur Beerdigung nicht steuerlich absetzbar sind. Gleiches zählt für sehr aufwendige Grabstätten.

Zahle ich Erbschaftssteuer auf einen Betrieb?

Eine Erbschaft mit betrieblichem Vermögen kann zu argen Problemen führen und gar den Ruin des Betriebes verursachen. Aus diesem Grund hat der Staat steuerliche Regelungen verankert, die Arbeitsplätze und Unternehmen erhalten sollen. Um diese Sonderregelungen für eine Steuererleichterung nutzen zu können, muss der Betrieb von den Erben selbst weitergeführt werden. Darüber hinaus dürfen die Lohnausgaben nicht signifikant sinken und das Unternehmen muss zumindest fünf Jahre gehalten werden. Wird der Betrieb sofort verkauft, fließt der Verkaufserlös ins Erbe und wird dementsprechend versteuert.

Kann ich die Erbschaftssteuer durch Schenkung umgehen?

Grundsätzlich ist das möglich, aber nur, wenn die Schenkungen frühzeitig vor dem Tod erfolgen. So hat der Gesetzgeber extra eine Regelung getroffen, die verhindern soll, dass Personen geschickt durch Schenkungen die Erbschaftssteuer umgehen. Bei Schenkungen greifen die gleichen Steuerfreibeträge wie bei der Erbschaftssteuer. Jedoch ist der Freibetrag nicht einmalig anzuwenden, sondern darf alle zehn Jahre in Anspruch genommen werden. In unserem Beispiel bedeutet das: Robert hätte seinen Kindern frühzeitig je 100.000 Euro schenken können. Dadurch hätte ihr Erbe nur noch 400.000 Euro betragen und es wäre komplett steuerfrei. Der Nachteil von Schenkungen ist, dass sie steuerlich nicht abzugsfähig sind und es für sie keinen Versorgungsfreibetrag gibt.

Wo muss ich die Erbschaft in der Steuererklärung angeben?

​Wenn für Ihre Erbschaft eine Steuer anfällt, dann müssen Sie ein detailliertes Formular (Erbschaftssteuererklärung) ausfüllen. Hier werden die Fragen zu „Wo gebe ich mein Erbe in der Steuererklärung an?“ und „Wo wird das Erbe versteuert?“ für Sie beantwortet. Die Erklärung umfasst vier Seiten und sollte ehrlich ausgefüllt werden. Die folgenden Fragen müssen u. a. beantwortet werden:​

  • Was war der Todestag?
  • Name, Wohnsitz, Staatsangehörigkeit u. Steuernummer des Verstorbenen
  • Güterstand bei Ehegatten und eingetragenen Lebenspartnern
  • Gab es einen Erbvertrag, Testament usw.?
  • Welche Vermögenswerte wurden hinterlassen?
  • Gibt es Nachlassverbindlichkeiten bzw. Schulden?
  • Sind Erbfallkosten für Sie angefallen?
  • Gab es bereits Schenkungen?
  • Wurden Pflichtteilansprüche geltend gemacht?

Wichtig: Sie müssen sich erst mit der Frage „Wo trägt man das Erbe in der Steuererklärung ein“ beschäftigen, wenn Sie das Finanzamt dazu auffordert. Die Aufforderung dazu erfolgt, nachdem Sie dem Finanzamt ein Formular zur Erbschaftsaufstellung ausgefüllt haben und der Fiskus entschieden hat, dass Sie steuerpflichtig sein könnten.

Wo Erbe in Steuererklärung eintragen und was?

Das Formular der Steuerbehörde zeigt Ihnen genau auf, was Sie eintragen müssen. Folgende Vermögenswerte unterliegen der Steuerpflicht:

  • Bargeld und Bankguthaben
  • Wertpapiere
  • ​Lebens-, Renten- und andere Kapitalversicherungen
  • Immobilien

Die Steuerschuld berechnet das Finanzamt anhand der aufgeführten Vermögensgegenstände, die Ihren Erbteil ausmachen. Hierbei ist zu beachten, dass Dinge des alltäglichen Lebens nicht steuerpflichtig sind. Darüber hinaus werden von der Erbschaft etwaige Verbindlichkeiten wie Erblasserschulden abgezogen.

Tipp: Es ist möglich, ganz legal die Steuerlast zu drücken. Erben Sie beispielsweise Immobilien in München und andere wertvolle Vermögenswerte, dann sollten Sie einen Steuerberater konsultieren. Er hilft Ihnen dabei, die Steuerlast zu minimieren.

Erbe und Steuererklärung: Was gibt es noch zu beachten?

Haben Sie die Erbschaft angezeigt und fordert der Fiskus von Ihnen eine Steuerklärung an, stehen Sie in der Pflicht, diese auszufüllen. Sollte es mehrere Erben geben, dann können Sie gemeinsam eine Erbschaftssteuererklärung ans Finanzamt schicken.

Das Finanzamt räumt Ihnen als Frist mindestens einen Monat ein. Sollte Ihnen die Zeit nicht ausreichen, können Sie beim Finanzamt eine Verlängerung der Frist beantragen. Das ist sehr wichtig, wenn Sie bereits absehen, dass Sie mit der Steuererklärung nicht rechtzeitig fertig werden. Sollten Sie nämlich ohne Vorwarnung die Steuererklärung verspätet einreichen, kann das Finanzamt Ihnen einen Verspätungszuschlag auferlegen.

Das Finanzamt prüft die Angaben und errechnet einen Erbschafts-Steuerbescheid. Anhand von diesem können Sie ersehen, ob eine Steuer anfällt und wie hoch diese ist. Sind Sie mit dem Bescheid nicht zufrieden und bewerten Sie ihn als ungerecht, können Sie binnen eines Monats Einspruch erheben.

Was passiert, wenn ich als Erbe die Erbschaft verschweige?

​Es hat keinen Sinn, das Finanzamt bei einer Erbschaft austricksen zu wollen. Wer dem Fiskus das Erbe verschweigt, der tut sich selbst keinen Gefallen. Das Finanzamt erfährt nämlich aus unterschiedlichen Quellen von der Erbschaft. Dies liegt daran, dass die Standesämter Sterbefälle melden. Zudem sind Notare und Gerichte dazu verpflichtet, dem Finanzamt alles mitzuteilen, was mit der Erbschaftsteuer zu tun hat. Eine ähnliche Pflicht greift für Bausparkassen, Banken und Versicherungen. Sie teilen dem Fiskus mit, wenn sie für einen Erben Vermögenswerte bereithalten. Sollten Sie als Erbe Ihrer Mitteilungspflicht an das Finanzamt nicht nachkommen oder sollten Sie die Fristen verstreichen lassen, hat dies im schlimmsten Fall strafrechtliche Konsequenzen.

Posted 
Aug 1, 2018
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